„BEHIND THE MIRROR“

 

„Behind the Mirror“ befasst sich mit der Metamorphose einer unterdrückten Frau, die den Zwängen und Erwartungen der von Männern dominierten Gesellschaft unterlegen ist, die Opfer deren Macht ist. In diesem Falle vor allem die Filmbranche ,in der Frauen selbst in „modernen“ Zeiten wie diese, unterdrückt, übergangen, missbraucht und aufs körperliche reduziert werden… #metoo

Die Strecke erzählt die Geschichte einer Frau, die für viele steht. Einer Frau, die unter der psychischen Last in einer Welt voller Schein zusammenbricht. Eine Frau die Hilflos ist. Sie tritt im tiefsten Moment in den Dialog mit sich selbst… oder besser gesagt mit der Person, für die sie sich hält. Daher ist der Fokus auch immer auf dem Spiegel. Sie ist es leid die Maske des ewigen Nicken und Lächeln zu tragen, den Schein zu wahren in dieser oberflächlichen Welt die deinen Charakter nach und nach zermürbt. Man stirbt als Held oder lebt so lange bis man zum Schurken wird.

Die Tränen sind weggewischt, sie steht vor der Wahl, frischt sie das Make Up auf, geht wieder raus in diese dunkle trostlose Welt. Trägt das falsche Lächeln, das Lächeln zum bösen Spiel oder gibt sie sich dieser leisen Stimme in ihr hin. Diese Stimme die von tief unten zu kommen scheint. Eine Stimme, die sie von dieser Hilflosigkeit befreien möchte. Eine dunkle, düstere Stimme. Dieses Etwas das in jedem von uns schlummert. Unser innerster Dämon, genährt von all dem was wir in uns reinfressen. So finster, Alt und tief in uns vergraben, das wir uns seiner Existenz meist nicht bewusst sind. Erst wenn wir Zusammenbrechen, wenn wir keine Hoffnung mehr haben und in unserer Verzweiflung versinken, spüren wir, das da was ist.

Der Impuls siegt, sie will ausbrechen. Zerstört den Spiegel weil sie ihren Anblick nicht mehr ertragen kann.
Sie taucht ein in eine abstrakte Parallelwelt, hat die Pforten zu ihrer dunklen Seite geöffnet. Wie ein dunkler Phoenix wird sie wieder geboren, mit dem Durst nach Rache, nach Gerechtigkeit, nach Freiheit. Sie nimmt ihr anderes Ich an, gibt sich ganz dieser „dunklen“ Seite hin, die eigentlich nur überleben und frei sein will. Endlich im Gleichgewicht, richtet sie ihren Zorn gegen jene, die ihre unschuldige Seite nach und nach zerstört haben. Die finale Abrechnung.

Wie man offensichtlich sehen kann, fließen einige bekannte Dinge mit ein:
Einerseits inspiriert durch den Joker mit Jaquin Phoenix, der eine ähnliche Metamorphose durchlebt. Sein wahres Ich / die andere Seite in sich zu lassen und sich nicht mehr verstecken, keine Maske mehr tragen, sich nicht mehr verleugnen um der Gesellschaft zu missfallen.

Wie einige bemerkt haben, ist das aber nicht der einzige maskierte der seinen Weg in die Strecke gefunden hat. Das Make Up, inspiriert an den Kultfilm „The Crow“ aus den 90er mit Brandon Lee. Ein Charakter der zusammen mit seiner Frau ermordet wird und ein Jahr später aus dem Totenreich zurückkehrt um sich zu rächen. Für mich ein passendes Stilmittel um den Aspekt der Rache oder besser gesagt Vergeltung, zu zeigen.

Auch die Zigarette hat einen tieferen Zusammenhang. In manchen Kulturen, wie zB China, ziert es sich nicht für eine Frau zu rauchen. Rauchen ist so ein Männerding, außer man ist Prostituierte oder dergleichen. Doch sie gibt in der Strecke einen Scheiss da drauf, was sich für eine Frau ziert oder nicht ziert. Denn sie ist ein Mensch, ein Mensch mit den gleichen Rechten wie alle anderen. Und wenn sie Lust hat eine Kippe zu rauchen, dann ist das eben ihr gottverdammtes Recht.

Wie manchen Filmkennern vielleicht aufgefallen ist, handelt es sich bei der Waffe um ein ähnliches, wenn nicht sogar das gleiche Modell wie die aus „Joker“, auch eine schöne Hommage. Bei dem Shooting sind einige Bilder entstanden, auf denen sie mit der Waffe spielt, teilweise auch sehr provokant und triggerhaft. Schlussendlich hatte ich mich aber für das Bild entschieden, nicht weil mir das andere zu extrem war… sowas ist mir egal, Kunst muss provozieren… sondern weil dieses eine Bild, am schönsten die Erlösung des alten Ichs zeigt, sowie die Ausgeglichenheit und den Frieden, nachdem sie die „dunkle“ Seite angenommen hat.

Die Strecke ist der Versuch, nicht einfach nur diese Metamorphose zu zeigen, sondern auch zu versuchen, zu verbildlichen, was in den Menschen vorgeht. Man kann es auch von Beginn an als inneren Dialog sehen, der hinter den „Fenstern zur Seele“ stattfindet. Und um darauf Aufmerksam zu machen, was in dieser Gesellschaft immer noch falsch läuft. Denn wie wir auch aktuell sehen. Es betrifft nicht nur Frauen, es betrifft Menschen die „anders“ sind, Menschen die nicht in die „Norm“ passen.

Krankheit Mensch.