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ZUR FINANZPOLITIK DER FILMHOCHSCHULEN UND KUNSTAKADEMIEN

Ein Gastbeitrag von dem Schauspieler Michael Marwitz

Ich habe in den letzten 20 Monaten ca. 20 Filmprojekte mit den führenden Filmhochschulen und Akademien Deutschlands gemacht.
Es waren zu 90% wunderbare Zusammenarbeiten. Ich habe diesen Arbeiten und Rollen, die mir anvertraut wurden sehr viel zu verdanken.
Aber: Es gab fast nie Gage oder Aufwandsentschädigung.
Und das ist nur bedingt den Studenten anzulasten. Es geht um etwas ganz Grundsätzliches!!! Die Studenten müßten schon längst Druck nach oben in ihren Fakultäten ausüben.
Die staatlichen und auch privaten Kunstakademien bzw. Filmhochschulen verfügen alle über ein jährliches Gesamtbudget, mit dem alles finanziert werden muß.
Gehälter der Dozenten, Technik, Räumlichkeiten, Bürokratie usw. Für alles wird Geld ausgegeben. Wozu sind die Filmhochschulen da?
Um Leute auszubilden die Filme machen. Was brauch ich zum Erstellen eines Films? Wenn es kein reiner Animationsfilm ist: eben auch Schauspieler!!!!
Es kann nicht sein, daß diese Menschen keine Aufwandsentschädigungen gezahlt bekommen, wenn sie vor die Kamera treten! Denn ohne sie kann nicht gedreht werden!

Also muß ein Prozentsatz der Hochschulbudgets bereit gestellt werden, um diese Aufwandsentschädigungen zu zahlen!!! So einfach ist das. Dazu muss aber die Au-und Verteilungspolitik der Gelder an den Hochschulen geändert werden. Wenn ich mit Studenten über dieses Thema spreche, merke ich, daß in diesem Bereich kaum oder kein Bewusstsein existiert. Da es ja auch bisher so funktioniert hat, daß Schauspieler „eingekauft“ werden, ohne daß sie bezahlt werden müssen. Der Shitstorm zu diesem Thema in diversen Gruppen hier auf FB ist völlig überflüssig und kann den Filmstudenten den Arm runter gehen, weil sich immer wieder auch verzweifelte Kollegen finden, die ohne Beschäftigung da stehen und dann lieber ohne Gage drehen, als zuhause sitzen zu bleiben. Die Frage ist nur, ob das menschlich vertretbar ist! Spiel mit Anhängigen? Und vor allem Tür und Tor geöffnet für Laien und Quereinsteiger, die eine willkommene Möglichkeit auf einer TFP Basis sehen, um einen Fuß ins Filmgeschäft hinein zu bekommen. Und dann sehe ich leider allzu oft, daß in an sich ganz ansehnlichen und guten Filmen Nicht-Schauspieler agieren, oder so schlechte, daß es einem die Schuhe auszieht!!! Und hier geht es jetzt auch nicht darum, daß ich hier Kollegen verunglimpfen will!! Es gibt gute und wunderbare Schauspieler in Deutschland, die ohne Job sind. Ich habe drei Jahre eine staatliche Hochschule, nämlich die Folkwangschule in Essen (staatliche Hochschule für Musik und darstellende Kunst) besucht. Wenn ich einen Tisch bauen soll und Stühle dazu als Schreiner, muß ich mein Handwerk lernen! Harrison Ford war Zimmermann, bevor er Schauspieler wurde. Was will ich damit sagen? Daß mein Beruf ein Handwerk ist, der erlernt werden muß, wenn ein Grundbegabung da ist. Inzwischen dauert die Ausbildung 4 Jahre!!!! Es gibt Ausnahmen, die die Regel bestätigen wie einen Jürgen Vogel, der nie eine Schauspielschule besucht hat. Aber wie auch immer: 90 Prozent der wirklich guten Profis haben hart an sich und ihrem Handwerk gearbeitet, um gute Schauspieler zu werden. Was nützt mir eine Red Epic oder Scarlet, ein geiles 80.000.- € teures Hawk-Objektiv dazu, wenn ich den Schauspieler nicht wert schätze!! Und der Beruf über diese Praktiken der Hochschulen – sie nämlich einfach nicht für ihren Job vor der Kamera zu entlohnen – schlicht und ergreifend verraten wird. Shitstorm? Nein. Einfach mal die Diskussion versachlichen und auf den Punkt bringen. That’s it!! Auf- UND VERTEILUNG DER GELDER DER HOCHSCHULBUDGETS ÄNDERN!

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